Die USA sind das mächtigste Land der Welt. Um das bei Auslandsbesuchen auch zu demonstrieren, muss natürlich ein entsprechendes Flugzeug her. In diesem Beitrag erfährst du mehr über die berühmt-berüchtigte Air Force One.

Die Air Force One von innen

Das aktuelle Flugzeug – eine stark angepasste Version der Boeing 747-200B – wurde im Jahr 1990 eingeführt. Auch davor gab es spezielle Flugzeuge, mit denen die Präsidenten um die Welt reisten – Beispiele sind die ikonische Lockheed Super Constellation und die Boeing 707. Allerdings hat keins dieser Flugzeuge einen solchen Bekanntheitsgrad erreicht, wie die 747. Dieser kam natürlich einerseits durch das Internet, andererseits aber auch durch zahlreiche Filme und Serien, wie Iron Man, Independence Day oder Superman.

Jetzt ist es Zeit, einmal in die VC-25A – so der offizielle Name des Flugzeugs in der Air Force – hineinzuschauen. Sobald man seinen Fuß in die Maschine setzt (was die meisten von uns sicherlich niemals tun werden), erinnert nur noch wenig an ein Flugzeug. Vielmehr sieht es nach Hotel oder Luxusbüro aus. Auf knapp 371 Quadratmetern ist Platz für rund 70 Leute – vom Präsidenten über hochrangige Politiker bis hin zu Journalisten.

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Foto: Pete Souza/Weißes Haus

 

Ganz hinten im Flugzeug sitzen die Journalisten. Der Bereich erinnert an eine „normale“ First-Class, wie man sie beispielsweise von Lufthansa kennt. Sie müssen das Flugzeug stets über den hinteren Eingang betreten und auch wieder verlassen, da die vordere Tür für den Präsidenten reserviert ist. Darauf folgen die Kompartiments für den Secret Service sowie für Gäste und Mitarbeiter des Präsidenten und des Weißen Hauses.

Der Conference Room markiert den Anfang des spektakuläreren Teils der Air Force One. Hier kann der Präsident mit seinen Mitarbeitern oder Gästen noch in der Luft wichtige Staatsgespräche führen und muss nicht warten, bis er wieder zurück im Oval Office ist. Wahlweise kann er zudem zum Situation Room und zum Esszimmer umfunktioniert werden.

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Foto: Pete Souza/Weißes Haus

 

Gleich darauf folgt der deutlich kleinere Meeting Room für die leitenden Angestellten des Weißen Hauses. Nebenan befindet sich die Main Galley – also praktisch die Küche. Hier ist Platz für bis zu 2000 Essen, von denen hundert fast gleichzeitig präpariert werden können. Einen Raum weiter ist das Büro für die Sicherheitsangestellten. Dieses hat allerdings eine Besonderheit: Bei einem Notfall kann der Raum in einen Operationssaal umgewandelt werden, falls dem Präsidenten oder einer anderen mitreisenden Person etwas zustoßen sollte. Deswegen fliegen auch stets Blutkonserven mit, um für alles gerüstet zu sein. Für weitere medizinische Notfälle hängt ebenfalls ein Defibrillator an der Wand.

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Foto: Pete Souza/Weißes Haus

 

Wir erreichen jetzt den vorderen Teil der 747. Hier beginnt nun der präsidiale Teil des Flugzeuges. Den Anfang macht das Büro des Präsidenten, der hier genauso wie am Boden weiterarbeiten kann und das Weltgeschehen verfolgen kann. Geeignet ist der darüber hinaus für private oder streng vertrauliche Gespräche mit Mitarbeitern.

Den krönenden Abschluss des Mitteldecks macht die President’s Suite. Hier kann sich der Präsident zurückziehen oder sich auf den Staatsbesuch vorbereiten. In der Suite befinden sich ein Umkleideraum, eine Dusche und sogar ein kleines Fitnessstudio.

Eine fliegende Kommandozentrale

Die Air Force One wurde nicht nur als Transportmöglichkeit für den Präsidenten entworfen. Ganz zentral ist nämlich seine Funktion als fliegende Kommandozentrale. Das Ziel: Immer informiert und immer bereit sein. Dafür stehen an Bord 85 Telefone, Faxgeräte, 19 Fernseher und zahlreiche Internetanschlüsse bereit. Das Videokonferenzsystem ermöglicht eine livegeschaltete Pressekonferenz des Präsidenten direkt aus dem Flugzeug. Des weiteren ist die Air Force One ein vollkommen unabhängiges Flugzeug. Will heißen: Es benötigt nicht zwangsläufig Flughafen-Equipment wie beispielsweise Gangways. Sonderausgänge im untersten Deck sind mit ausfahrbaren Treppen ausgestattet, über die man die Maschine bei Bedarf verlassen kann.

Wichtig war das alles am 11.9.2001, als Mitglieder von Al-Qaida insgesamt vier Flugzeuge entführten, von denen zwei in die World Trade Center und eins ins Pentagon gelenkt wurden – das vierte stürzte in ein Waldgebiet, nachdem Passagiere versuchten, wieder die Kontrolle zu übernehmen. Zum Zeitpunkt der Anschläge befand sich der damalige US-Präsident George W. Bush gerade in einer Grundschule in Florida. Wenige Minuten später ging es zum Flughafen, an dem die Air Force One bereits wartete. Von hier aus hatte Bush die Möglichkeit, mit hochrangigen Mitarbeitern in Washington zu diskutieren, was nun getan werden müsse. 9/11 war praktisch genau das Szenario, für das die Air Force One entworfen wurde.

Gegen jeden Angriff gesichert

Da der Präsident der USA ein beliebtes Angriffsziel für Terroristen ist, wurde das Flugzeug mit allerlei Sicherheitsmechanismen ausgerüstet. Dem wohl am ehesten auftretenden Szenario – einem Angriff per Rakete – entgegnen die Piloten entweder mit sogenannten Flares oder dem Einsatz von Infrarotstrahlen. Eingebaut sind die Gegenmaßnahmen unter den Tragflächen.

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Foto: Tyson McGhee/Air National Guard

 

Selbst gegen einen nuklearen Angriff ist die Maschine abgesichert. Die bei einer Atombombenexplosion entstehenden elektromagnetischen Wellen würden normalerweise die Elektronik jedes anderen Flugzeugs ausfallen lassen und so wohl oder übel zum Absturz führen. Durch eine spezielle Beschichtung der Außenhaut und spezielle Glasfaserkabel ist die Air Force One aber praktisch immun gegen solche Angriffe. Ebenfalls ist ein System an Bord, mit dem man das Feindradar stören kann.

All das macht die 747 zu einem fliegenden Bunker. Doch wenn der Sprit knapp wird, muss jedes Flugzeug irgendwann einmal landen, oder? Nein! Denn die Präsidentenmaschine besitzt ein System zum Nachfüllen des Flugzeuges in der Luft. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, hat die Nase der Air Force One eine Art Buckel. Darunter findet man die Sonde, die im Falle eines Falles ausfährt und sich mit dem Schlauch des Tankerflugzeuges verbindet. So kann die Air Force One in der Theorie unbegrenzt in der Luft bleiben.

Julian Senft

Das Schreiben und Reisen gehören schon lange Zeit zu meinen Hobbys. Beim Reisemagazin von voucherwonderland kann ich beides bestens vereinen.

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