Direkt im musealen Zentrum der Hauptstadt präsentiert sich der Bebelplatz als der einzige Platz der Innenstadt, dessen Fassaden immer noch wie vor dem Jahre 1943 aussehen. Zwar befindet sich hinter den wiederaufgebauten Fronten nicht selten eine moderne Konstruktion, doch der Anblick lässt einem trotzdem in eine vergangene Welt abtauchen. Angelegt wurde der Platz auf Wunsch von Friedrich dem Großen im Jahre 1740. Der damalige König von Preußen ziert in Form eines Reiterstandbildes heute wieder den Mittelstreifen Unter den Linden. Mit der Bücherverbrennung wurde der Ort jedoch entweiht. An dieses Ereignis erinnert bis heute ein Mahnmal. Hier erfährst du mehr über die faszinierende Historie des Platzes.

Die historische Bücherverbrennung auf dem Bebelpatz

Bekanntheit erlangte der Bebelplatz in erster Linie durch die Bücherverbrennung, die von den Nationalsozialisten am 10. Mai des Jahres 1933 durchgeführt wurde. Mehr als 20.000 Bücher fielen an diesem Tag den Flammen zum Opfer. Dabei wurden lediglich die Bücher verbrannt, die nach der Ansicht der Nationalsozialisten „undeutschen Geistes“ waren. In diese Kategorie fielen unter anderem Bücher von Erich Kästner, Karl Marx, Lion Feuchtwanger, Else Lasker-Schüler, Kurt Tucholsky, Sigmund Freud sowie von der Familie Mann und Magnus Hirschfeld. Insgesamt wurden Bücher von mehr als 400 Autoren und Autorinnen zerstört.

Auch die Bücher des Autors Heinrich Heine wurden verbrannt. In seinen Werken beschrieb Heine bereits, dass man dort, so man Bücher verbrennt, auch bald Menschen verbrennen würde. Die Bücherverbrennung gestaltete sich nämlich als der Höhepunkt einer lange geplanten Aktion. Nicht nur am Bebelplatz, dem damaligen Berliner Opernplatz, brannten an diesem Tag die Bücher. Die Nationalsozialisten eröffneten in über 20 deutschen Städten die Hetzjagd auf die Kultur Deutschlands sowie auf eine Vielzahl der bekanntesten Schriftsteller dieser Jahre und ihre Werke. So behielt Heinrich Heine recht, denn die Bücherverbrennungen der Nazis stellten nur das Vorspiel zum Mord an den Juden in Europa dar.

Bebelplatz Berlin

Unterstützung durch den Buchhandel

Bereits zu Beginn des Aprils im Jahre 1933 sollten die Professoren und Studenten ihre Loyalität unter Beweis stellen. Die Deutsche Studentenschaft rief sodann die Universitäten zur Mobilisierung gegen den „jüdischen Zersetzungsgeist“ auf. Während zunächst lediglich die eigenen Regale nach „zersetzendem Schrifttum“ untersucht werden sollten, mussten sich später ebenfalls die Stadt- und Volksbüchereien an der Säuberung beteiligen.

Der Buchhandelt unterstütze die Nationalsozialisten tatkräftig bei der Auslese. Verbotslisten wurden dabei von dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels veröffentlicht. „Unsittlich“ und „dekadent“ anerkannte Werke verschiedenster Autoren wurden rücksichtslos vernichtet.

Geplünderte Bibliotheken und feierlich brennende Bücher

Der Druck auf die Bibliotheken wuchs stetig bis die Nationalsozialisten schließlich am 6. Mai 1933 die Plünderungen von Büchereien und Buchhandlungen inszenierten. Auf diese Weise kam es zum Abtransport von tausenden Bänden. Bereits in Berlin haben die Nationalsozialisten bei dem Überfall auf das Institut des Sexualwissenschaftlers Magnus Hirschfeld weit mehr als zehntausend Werke beschlagnahmt.

Ganz gleich, in welcher deutschen Stadt die Aktion stattfand – alle folgten dem gleichen Muster. So versammelten sich am 10. Mai die Studenten im Fackelschein im Stadtzentrum. In der Hauptstadt zogen sie von der Universität über die Museumsinseln in die Oranienburger Straße. Gemeinsam mit Lastwagen voll mit etwa 25.000 Büchern bewegte sich der Zug in Richtung Opernplatz. Die Stimmung glich dem eines Volksfestes. So spielte eine Blaskapelle und eine Vielzahl an Schaulustigen rahmte die Strecke ein. Sowohl Professoren in Talaren, als auch Mitglieder von Studentenverbindungen, Verbänden von SA, SS und Hitler-Jugend waren unter den Menschen anwesend.

Mit dem Worten „Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung“ gingen etwa die Schriften der Kommunismus-Theoretiker Karl Marx und Karl Kautsky in Flammen auf. Die Vernichtung zielte in erster Linie auf die geistigen Grundlagen der Weimarer Republik ab, die von den Nationalsozialisten verhasst war. Am nächsten Morgen fand die Stadtreinigung von den ursprünglich 20.000 Büchern nur noch Asche aus Papier vor. Bereits ein Jahr später führten die „schwarzen Listen“ mehr als dreitausend Titel.

Bebelplatz Mahnmal
Bild: Graham Fellows Lizenz: CC BY 2.0

 

Das heutige Mahnmal auf dem Bebelplatz

Wer heute über diesen imposanten Platz spaziert, der wird in erster Linie von einem acht Meter tiefen Mahnmal an die damaligen Geschehnisse erinnert werden. Verschiedene Hinweistafeln im Boden führen zu der „Bibliothek“ direkt in die Mitte des Bebelplatzes. Das unterirdische Mahnmal besteht aus leeren Regalen, in die exakt 20.000 Bücher hineinpassen würden, würden diese noch existieren. Darüber hinaus erinnert es zugleich aus traurigem Grund an eine in Fels gehauene Grabkammer, da in den folgenden Jahren hunderttausend Menschen ein tragisches Schicksal unter der Herrschaft der Nationalsozialisten ereilte.

Das Denkmal ist durch eine Glasplatte sichtbar. Dadurch wird auf die Botschaft verwiesen, dass die Geschichte unter dem Pflaster und hinter den Mauern verborgen liegt. Sie erschließt sich nur demjenigen, der sie dort entdecken will.


Bis heute weiß der Bebelplatz in Berlin mit einer außergewöhnlichen Architektur und einer reizvollen Atmosphäre seine Besucher zu begeistern. Als historisch bedeutender Schauplatz der Bücherverbrennung sollte man als kulturell interessierter Reisender diesen Ort auf jeden Fall einmal besucht haben. Das eindrucksvolle Mahnmal berichtet von einer Zeit, in der einige Schriftsteller und ihre Bücher verboten waren und ihre Werke nie mehr in den Regalen der Buchläden zu sehen sein sollten.

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Josefine Baumann

Seit August 2016 schreibe ich für das Reisemagazin von voucherwonderland. In meinen Beiträgen nehme ich euch gerne mit an die schönsten Orte Europas – von manchen hast du vorher vielleicht noch gar nichts gehört ;)

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