Eine der schönsten Perlen in der deutschen Landschaft ist ohne Frage das prunkvolle Schloss Linderhof. Es befindet sich in der oberbayerischen Gemeinde Ettal im südlichen Bayern. Das eindrucksvolle Bauwerk ist das kleinste der drei Schlösser des bayerischen Königs Ludwig II. Zudem ist es das einzige, welches noch zu seinen Lebzeiten fertiggestellt werden konnte. Linderhof gilt als das Lieblingsschloss des Königs. Bei einem Besuch dieses malerischen Schlosses wird jeden klar werden, warum er sich hier mit großem Abstand am häufigsten aufgehalten hat!

Schloss Linderhof – Eine wechselvolle Entstehungsgeschichte

Nur wenige Jahre nach der Krönung von Ludwig II. zum König wurde mit der Gestaltung seiner Gemächer in der Münchner Residenz begonnen. Damit wurde ebenfalls der Grundstein für Schloss Neuschwanstein gelegt. Im Jahre 1868 entwickelte Ludwig II. bereits die ersten Bauprojekte für Linderhof. Nach einer langen Bau- und Umbauzeit entstand das Schloss Linderhof, welches den einzigen größeren Schlossbau darstellt, den König Ludwig II. vollendet erlebt hat.

Der entstandene Kern des Schlosses bestand im Obergeschoss aus einem hölzernen, mit Brettern verschalten, Ständerbau. Es wurde über einem gemauerten Sockelgeschoss angebracht und erhielt dank seiner vorhandenen Holzkonstruktion auch die Bezeichnung „Almhüttenbau“. Von dem Prunk der Innenräume ahnte man beim bloßen Anblick des schlichten Äußeren nichts.

Linderhof - Beautiful Bavarian Castle

Im Februar 1873 genehmigte König Ludwig II. eine Planung, die für eine endgültige Gestaltung des Schlosses sorgte. Während zu Beginn das Holzständerwerk mit einem festen Mauerwerk ummantelt wurde, folgte eine neue kreuzförmig gegliederte Verdachung. Gestalterisch bildete dieser Gebäudeteil den Kern des neuen Schlosses. Im Jahre 1876 wurde das Äußere des Schlosses in seiner endgültigen Form verwirklicht. Schließlich statte man auch das Innere mit einem Treppenhaus und der Vestibül aus.

Durch die Verwandlung vom „Almhüttenbau“ zur „Königlichen Villa“ resultierten für die gesamte Umgebung des Schlosses entscheidende Konsequenzen. Die fertige Planung der wunderschönen Parkanlage lag sodann im Jahre 1874 durch den Hofgartendirektor Carl Joseph von Effner vor. Nach weiteren Umbauarbeiten kam der Schlossbau im Jahre 1886 durch den Tod König Ludwig II. zum Abschluss.

Ein ereignisreicher Rundgang im Schloss Linderhof

Wirkt das Bauwerk von außen noch eher wie eine Villa, so empfängt dich im Inneren die traumhafte Atmosphäre eines Schlosses. An der Fassade verherrlichen Figuren und Reliefs das bayerische Königtum. Im Vestibül erblickt man hingegen Ehrungen an den König Ludwig XIV. von Frankreich. Sein Standbild befindet sich in der Mitte des Raums. Es stellt in verkleinertem Maßstab ein Denkmal nach, welches im Jahre 1966 in Paris aufgestellt wurde. Umgeben ist das Denkmal von rötlichen Marmorsäulen, die den Farbton des Raumes bestimmen. Direkt über dem Sonnenkönig strahlt dessen unverkennbares Symbolgestirn goldene Lichtstrahlen aus. Zwei Putten schweben davor und halten die Devise der Bourbonen in den Händen: Nec Plurbis Impar. Sinngemäß übersetzt bedeutet es so viel wie „Auch einer Mehrzahl überlegen“.

Der faszinierende Rundgang führt dich weiter durch die Wohnung des Königs. Im „Gobelinzimmer“ werden großformatige Darstellungen auf grobe Leinwand gemalt. Die eleganten Szenen in ländlicher Idylle gehen dabei auf die Vorbilder von François Boucher und Antoine Watteau zurück. Wer diesen Raum betritt, der wird sich durch das durchgängige Panorama der Darstellungen in die Mitte einer entrückten Welt der Liebe und Harmonie versetzt fühlen. Hier sammelt man unvergleichliche Eindrücke.

Das erstaunliche Deckengemälde des Musikzimmers zeigt die Vermählung von Kunst und Schönheit. Weitere besondere Ausstattungsgegenstände bilden ein lebensgroßer Pfau aus der Porzellanmanufaktur Sèvres und ein seltenes Pianino Aeolodikon. Hierbei handelt es sich um ein Harmonium in Form eines Klaviers. Dank diesem interessanten Stück wird der Raum auch Musikzimmer genannt.

Die drei folgenden Räume sind in ihrer Grundrissform aufeinander bezogen und versetzten vor allem durch ihre herrliche Farbgebung die Gäste ins Staunen. Der elegante Farbdreiklang und die zarten Darstellungen in der Hohlkehle der Decke stellen definitiv einen reizvollen Anblick dar. Der Höhepunkt in der Raumfolge ist das prunkvoll ausgestattete Audienzzimmer. Zahlreiche Embleme weisen auf Ludwig II. und den französischen Hof hin.

Das Schlafzimmer stellt im Vergleich zu dem verhältnismäßig kleinen Gebäude einen verblüffend großen Raum dar. Der hintere Teil ist dabei durch eine geschnitzte Balustrade eingefasst. Besichtigen kann man hier im Zentrum das riesig wirkende Bett in Ludwigs Symbolfarbe Blau. Darüber befindet sich das Wappen, welches in feinster Nadelmalerei ausgeführt wurde. Über dem Baldachin schweben Engel, von denen die bayerische Krone emporgehalten wird. Zwei mächtige Standleuchter flankieren das Bett, die ihm fast einen sakralen Charakter geben. Die zum Teil vollplastische Goldstickerei mit Ornamenten und Putten auf den sechs Stoffbahnen macht diesen Teil des Schlafzimmers sicherlich zum Bereich, der vom gesamten Schloss am aufwendigsten gestaltet wurde.

Schleissheim, Germany - July 30, 2015: Inside main palace building, rooms with incredible paintings, decorations, details and ornaments in true european traditional architecture

Nach dem Schlafzimmer betritt man einen kleinen hufeisenförmigen Raum. Hierbei handelte es sich um das Ankleidezimmer des bayerischen Königs. Ovale Pastellbilder mit Porträts von Mitgliedern des Versailler Hofs schmücken die Sitzmöbel und Stoffe, die in Rosa gehalten wurden.

Sodann erreicht man das imposante Speisezimmer. Dieser Teil ist in erster Linie wegen des Esstisches berühmt. Mit Hilfe einer Kurbelmechanik kann der große Esstisch direkt in das Untergeschoss gefahren werden. Dort befindet sich die Küche, wo der Tisch reichlich gedeckt werden kann. Ursprünglich diente diese französische Erfindung des 18. Jahrhundert dazu, dass die Hofgesellschaft bei ihren amourösen Soupers unbeobachtet bleiben konnte. Für den bayerischen König ging es hingegen nicht um erotische Abenteuer oder Galanterie. Er versammelte lediglich eine imaginäre Hofgesellschaft, sodass es möglich war, ungestört zu Speisen und zu Träumen.

Der Rundgang führt weiter durch das vierte der kleinen Kabinette. Hier kann man vergoldete Schnitzereien und Stuckaturen sowie eine schöne blaue Seidenbespannung bestaunen. Bis auf ein paar Einzelheiten stimmt die Gestaltung dieses Raumes mit seinem Gegenüber auf der westlichen Seite überein. Die vorgetäuschten Wirkteppiche verdeutlichen Geschichten, mit denen das Goldene Zeitalter gefeiert wird, als die Götter auf Erden ihren Liebesabenteuern nachgingen.

Der Raum befindet sich im Osten und ist zum Sonnenaufgang ausgerichtet. Analog zum westlichen Gobelinzimmer findet sich hier ein Deckengemälde, das mit der Darstellung von Apollo und Aurora den Morgen symbolisiert. Das imposante Deckengemälde im Gobelinzimmer versinnbildlicht hingegen den Abend.

Den Abschluss des faszinierenden Rundgangs bildet der eindrucksvolle Spiegelsaal. Hier findet sich an den Wänden des Raumes keine einzige Stelle, die nicht von einem Spiegel bedeckt worden ist. Auf diese Weise ist die Lichtwirkung ein besonders traumhafter Anblick. Das Spiegelkabinett in den Reichen Zimmern der prunkvollen Residenz München war dabei das Vorbild für die Ausstattung. Die optischen Spielereien werden im Schloss Linderhof jedoch noch weiter getrieben. Ganz gleich, wo man hinblickt, man kann einen neuen Spiegeleffekt bewundern.

Da der bayerische König Ludwig II. lieber in der Nacht aktiv war, hat er den Spiegelsaal wohl nur selten am Tage aufgesucht. Bei den unzähligen Kerzen der Wandleuchter muss die Wirkung der Spiegel jedoch noch reizvoller gewesen sein. Das gesamte Inventar des Raumes ist ohne Frage extrem kostbar. Neben den großen durchgehenden Spiegelgläsern finden sich die zentralgeheizten Kamine aus Lapislazuli sowie die prächtigen Möbel, die mit Rosenholz furniert und mit figürlicher Bronze verziert wurden. Nicht weniger ansehnlich ist natürlich der Teppich aus Straußenflaumfedern und die erlesenen Skulpturen aus Carrara-Marmor.

Künstlerische Illusionen in der Venusgrotte von Schloss Linderhof

Neben den imposanten Innenräumen des Schlosses erwarten dich hier noch viele weitere eindrucksvolle Schätze. Die Venusgrotte im Schlosspark stellt ein einzigartiges Gesamtkunstwerk des 19. Jahrhunderts dar. Der bayerische König Ludwig II. selbst gab den Auftrag und konzipierte maßgeblich an diesem reizvollen Bauwerk mit. Hier verbinden sich technologische Innovationen und illusionistische Inszenierungskunst zu einem fantastischen Kunsterlebnisraum. Die Venusgrotte entspricht von daher mehr einer interaktiven Theaterbühne als einer gewöhnlichen Grottenarchitektur.

Linderhof Palace and garden in Bavaria, Germany

Auf diese Weise werden an einem einzigen Ort unverkennbare Schaubilder von fernen und märchenhaften Welten, der Blauen Grotte in Capri sowie Opernszenen von Richard Wagner mit höchstem Aufwand realisiert. Bis heute ermöglicht uns dies einen unvergleichlichen Einblick in die technischen und künstlerischen Innovationen dieses Jahrhunderts. Dank den hohen Ansprüchen des Königs, ein perfektes Kunsterlebnis mit allen möglichen Mitteln zu schaffen, wurden optimale Ergebnisse erzielt. Die Venusgrotte zeigt sowohl in technischer als auch in künstlerischer Hinsicht Höchstleistungen. Für die Beleuchtung der Grotte wurde zum Beispiel eines der ersten Elektrizitätswerke weltweit verwendet. Die konstruktiven Innovationen des 19. Jahrhunderts sorgen für den naturrealistischen Grottenbau sowie einzigartigen Lichtinszenierungen und Theatereffekte.

Besonderheiten dieses herausragenden Ausnahmekunstwerks werden im Kontext mit kulturellen, konstruktiven und theatergeschichtlichen Themen des 19. Jahrhunderts von internationalen Experten vorgestellt. Die Aufmerksamkeit liegt dabei auf dem Bauwerk selbst sowie die Herangehensweise bei der Restaurierung. Leider können während der Restaurierung des Innenraums keine Besichtigungen der Grotte bis 2021 stattfinden. Dennoch sollte man sie sicherlich einmal gesehen haben!

Der malerische Park von Schloss Linderhof

Was wäre ein prunkvolles Bauwerk ohne einen herrlichen Garten? Eingerahmt in barocken Motiven, Wasserbassins, geometrischen Blumenbeeten und der langen Kaskaden mit Neptunbrunnen wirkt das Schloss noch viel bezaubernder. Die malerische Anlage ist nicht weniger eindrucksvoll als das reizvolle Anwesen selbst. Der Park von Schloss Linderhof präsentiert sich als einer der qualitätsvollsten seiner Epoche.

Alley in Linderhof Palace in Bavaria, Germany

Elemente des französischen Barockgartens werden mit den Elementen des englischen Landschaftsgartens vereint. Die naturnahe, unregelmäßige Gestaltung des umgebenden Parks mit den exotischen Bauten stammt von den englischen Vorbildern ab. Durch Sichtachsen und kilometerlangen Wegen, die weit in den Bergwald hinaufführen, wird die umgebende Gebirgsnatur ideal in das großartige Gesamtkunstwerk mit einbezogen. Zwei besonders schöne Blickpunkte sind der Pavillon und der Venustempel.
Ein ganz außergewöhnliches Highlight sind die Parkbauten. Diese spiegeln die Begeisterung Ludwigs II. für die Orientmode sowie die Musikdramen von Richard Wagner wider. Ludwig II. pflegte die Orientmode, die es bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert gab. Daraus entstammen die Parkbauten Marokkanisches Haus und Maurischer Kiosk. Die drei Bühnenbilder, die im Park errichtet wurde, rühren von der Begeisterung Ludwigs für die Werke von Richard Wagner. Dabei handel es sich um die Hundighütte (I. Akt der „Walküre“), die Venusgrotte (I. Akt des „Tannhäuser“) und die Einsiedelei des Gurnemanz (III. Akt des „Parsifal“). Sie können alle einzeln besichtigt werden. Jedes Gebäude ist bereits ein kleines Highlight für sich.


Das fantastische Schloss Linderhof hat eine ganz eigene, zauberhafte Welt erschaffen. Prunkvolle Innenräume werden von einer geschichtsträchtigen Fassade umschlossen. Eingerahmt von einer fantastischen Parkanlage, die jeweils mit ihren eigenen kleinen Highlights beeindruckt, ist dieses Gesamtbild unvergleichlich. Hier werden sicherlich nicht nur interessierte der deutschen Burgen und Schlösser auf ihre Kosten kommen!

Josefine Baumann

Seit August 2016 schreibe ich für das Reisemagazin von voucherwonderland. In meinen Beiträgen nehme ich euch gerne mit an die schönsten Orte Europas – von manchen hast du vorher vielleicht noch gar nichts gehört ;)

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