Für 20 Euro nach Rom, für 28 Euro nach Barcelona oder für 18 Euro nach Nizza – Billigairlines wie Ryanair oder easyJet locken besonders im Sommer immer wieder mit fast unglaublich niedrigen Preisen. Doch wie ist das möglich? In diesem Beitrag klären wir, wie Billigairlines überhaupt funktionieren, ob sie sicher sind und worauf man bei der Buchung achten sollte.

Sparen, sparen und nochmals sparen

Billigairlines gibt es über die ganze Welt verteilt: Ryanair, easyJet, Eurowings und weitere in Europa, Spirit, Southwest und Jetblue in den USA oder Jetstar, Flydubai und Go Air im Nahen Osten, Asien und Australien. Alle verfolgen dabei ein ganz simples Konzept: Alles teure so günstig wie möglich machen oder abschaffen.

Den Anfang macht hier das Flugzeug an sich, schließlich geht es wohl schlecht ohne. Um schon hier einzusparen, werden bei Herstellern wie Boeing oder Airbus nicht ein oder zwei Flugzeuge bestellt – nein – meistens sind es 50-100. Dadurch sind die Airlines in der Lage, massive Rabatte herauszuschlagen. Statt der 70-80 Millionen Euro für ein neues Flugzeug fallen so oft nur 40-50 Millionen Euro pro Stück an.

Ryanair plane in special painting

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass alle Flugzeuge von Ryanair oder easyJet gleich aussehen? Das hat damit zu tun, dass Billigairlines meist nur ein bestimmtes Modell im Dienst haben. Bei Ryanair wäre das die 737 von Boeing und bei easyJet die A320-Familie von Airbus. Auch das hat einen simplen Grund: So kann die Zeit in der Wartung stark verringert werden, da Mechaniker genau wissen, wo sie schauen müssen. Das bedeutet, dass die Flugzeuge das tun können, was sie am besten machen: Fliegen. Andererseits fallen die Kosten für weiteres Training der Mechaniker weg, da sie nur einen Flugzeugtyp kennen müssen. Das alles mag vielleicht nach kleinen Einsparungen klingen, über die Zeit gesehen spart das alles aber mächtig Geld.

Billigairlines landen zudem meist an kleineren, weiter von der Stadt entfernten Flughäfen. Beispiele wären London Stansted statt Heathrow, Berlin Schönefeld statt Tegel oder Frankfurt Hahn statt dem deutlich näheren Frankfurt Airport. Grund dafür sind die geringeren Landegebühren. Landet ein Flugzeug an einem Flughafen, ist das natürlich nicht kostenlos. Denn damit nimmt es einen der begrenzten Slots ein, benötigt einen Parkplatz und meist auch noch ein Gate – all das lassen sich vor allem beliebte Flughäfen teuer bezahlen. Um das zu umgehen, suchen sich Billigairlines einen kleineren, unbeliebteren Flughafen in der Umgebung. Weil sie meist die einzige große Airline an diesem Flughafen sind, haben sie eine starke Verhandlungsposition und können jegliche Gebühren stark herunterhandeln.

Wenig Komfort und schnelle Abfertigung

Hier hören die Taktiken der Airlines allerdings noch nicht auf – bei weitem nicht. Denn jetzt ist es Zeit, einmal in das Flugzeug selber zu schauen. Jeder, der schon einmal mit einer Billigairline geflogen ist, weiß, dass man Beinfreiheit hier vergebens sucht. Logisch, denn mehr Sitze bedeuten eine höhere Anzahl an Passagieren und mehr Geld für die Airline. Zudem wird auf sämtlichen Komfort verzichtet: Keine sich zurücklehnenden Sitze, keine Taschen an den Rückseiten der Sitze (weniger zum Saubermachen) und oft weder Erdnüsse noch Tomatensaft für zwischendurch. Möchte man auf seinem Flug etwas essen, kostet das den Fluggast extra. Die Kabinencrew ist ein weiterer Punkt auf der Liste. Flugbegleiter/innen stehen meist am Anfang ihrer Karriere und erhalten von den Airlines nur das minimal erforderliche Training, sprich das vorgeschriebene Sicherheitstraining und eine Grundausbildung in Sachen Service. Die Piloten sind des Weiteren oft nicht bei den Airlines direkt angestellt, sondern arbeiten über Vermittlungsfirmen. Damit fällt einiges an Sozialausgaben und weiteren eigentlich nötigen Ausgaben weg. Genau das wurde von der Presse immer wieder kritisiert – ob sich daran etwas ändert, ist aber noch unklar.

Aisle inside a plane

Aber auch wenn das Flugzeug still steht, wird gespart. Statt extra Reinigungspersonal an Bord zu lassen, kümmern sich einfach die Flugbegleiter/innen darum. Während zwei oder drei die Maschine auf Vordermann bringen, kümmert sich einer um den Check-In der Passagiere. Haben Gäste vergessen, ihr Ticket zuhause auszudrucken, fallen am Flughafen hohe Gebühren für das dortige Ausdrucken an.
Schon 15 bis 20 Minuten, nachdem das Flugzeug gelandet ist, startet es schon wieder. Mehr fliegen, mehr Geld – ganz simpel. So kann ein Flugzeug alleine an einem Tag viele verschiedene Ziele in vielen verschiedenen Ländern bedienen.

Sind Billigairlines unsicher?

Wenn überall gespart wird, kann eine Billigairline dann überhaupt noch sicher sein? Die Antwort ist: Ja, zumindest in Europa und den USA. Ein Sicherheitsranking des Flugunfallbüros Jacdec für das Jahr 2016 sieht Jet Blue Airways aus den USA beispielsweise noch vor Lufthansa. Southwest Airlines und easyJet landen vor United und Swiss, nur Ryanair treibt sich im trotzdem noch guten Mittelfeld immerhin vor Air France und American Airlines rum. Wie kann man so viel sparen und trotzdem noch sicher sein?

Zum einen wäre da das Alter der Flugzeuge. Durchschnittliches Alter der Maschinen von Ryanair und easyJet ist knapp fünf Jahre, während traditionelle Airlines wie Lufthansa, KLM und weitere eine durchschnittlich doppelt so alte Flotte besitzen. Neuere Flugzeuge besitzen oft ausgefeiltere Technik und sind noch nicht so reparaturanfällig wie Ältere. Dadurch, dass Billigairlines nur einen Flugzeugtyp besitzen, ist die Wartung und Reparatur deutlich effizienter und weniger fehleranfällig. Mechaniker können so schnell und zuverlässig feststellen, wo das Problem liegt und es entsprechend beheben, ohne sich lange durch Anleitungen lesen zu müssen.

aircraft in hangar

Außerdem dürfen sie schlicht und ergreifen nirgendwo sparen, wo die Sicherheit der Menschen an Bord und am Boden gefährdet werden könnte. Dafür gibt es eine Reihe von Vorschriften, die von der Einhaltung der Pilotendienstzeiten über die Anzahl der Wartungen bis hin zur vorgeschrieben Menge an mitzuführendem Kerosin alles beinhalten.
Allerdings gibt es auch bei Billigfliegern einige Kritikpunkte. Viele Ziele an einem Tag zu schaffen, bedeutet für Piloten eine ungeheure Menge an Stress – vor allem zur Hochsaison, wenn Verspätungen besonders verheerend sind. Schließlich erwartet der Arbeitgeber, dass auch alle Ziele bedient werden. Auch sind die vielen Starts und Landungen fordernd für das Flugzeug – eine ordentliche Wartung ist daher absolut notwendig.

Alles in allem sind Billigairlines – entgegen der öffentlichen Meinung – genau so sicher wie die Flieger von großen Airlines wie Lufthansa, KLM oder Air France.

Was du bei der Buchung beachten solltest

Billigairlines haben es über die Jahre perfektioniert, ihre Buchungsseiten so verwirrend und irreführend wie möglich zu gestalten. Die Werbung verspricht vielleicht, für nur 20 Euro an die schönsten Ecken Europas zu fliegen, am Ende wird der Preis aber vermutlich viel höher liegen. Ein ganz zentraler Trick ist, dass die beworbenen Preise nur für das Reisen mit Handgepäck gelten – Koffer kosten extra. Bei der Buchung werden dir zudem Zusatzversicherungen, Mietwagen oder Hotels angeboten, in der Hoffnung, dass du zuschlägst. Dazu kommen Fantasiegebühren, die den Preis während der Buchung in die Höhe treiben. Auch wenn du nur mit Handgepäck reisen möchtest, gibt es etwas zu beachten. Denn eine Tasche darf bestimmte (von der Airline festgelegte Maße) nicht überschreiten. Tut es das doch, muss man es als normales Gepäckstück aufgeben und kräftig extra zahlen – meist mehr als für den eigentlichen Flug.
Kurzum: Bei der Buchung jeden Satz und jedes Feld noch einmal genau durchlesen. Nur so kannst du Zusatzgebühren verhindern. Im Gegenzug bekommst du dann einen günstigen Flug.

Julian Senft

Das Schreiben und Reisen gehören schon lange Zeit zu meinen Hobbys. Beim Reisemagazin von voucherwonderland kann ich beides bestens vereinen.

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