Verlassene Herrenhäuser, ehemalige Krankenhäuser oder aufgegebene Militäreinrichtungen: Das Erkunden der Lost Places in Berlin entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem immer beliebteren Hobby. Das sogenannte Urban Exploring, also das Erkunden von verlassenen Orten, übt seit geraumer Zeit eine unwiderstehliche Faszination auf Menschen aus.

Mit dem Betreten eines Lost Places betrittst Du auch eine andere Welt in einer anderen Zeit, erzählen die Orte doch auch immer eine Geschichte. Ihren Charme verdanken die Lost Places dem Zahn der Zeit, der an ihnen nagt, wodurch die Gebäude oft baufällig sind, weswegen das Betreten der Gelände oft verboten ist.

Wir haben Dir einige der spannendsten Lost Places in Berlin und Umgebung zusammengestellt, geben Dir einen Überblick über die Geschichte der verlassenen Orte und sagen Dir, ob Du sie betreten darfst. Bei den genannten Lost Places in Berlin sind alle Adressen bereits bekannt, weswegen wir Dir diese ebenfalls nennen.

Regeln des Urban Exploring
Urbex Es werden nur Fußspuren hinterlassen: Nichts wird verändert, geklaut, beschmutzt oder besprüht, auch Rauchen ist ein Tabu, kann ein Funken Asche schnell zu einem Feuer werden.

Respektiere das Eigentum anderen: Es wird weder eingebrochen – wenn es keinen Zugang zu dem Lost Place gibt, wird dieser auch nicht gewaltsam erzwungen – noch Inventar zerstört.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Lost Places sind baufällige, teilweise einsturzgefährdete Ruinen, deswegen achte immer auf Dich und Deine Umgebung und versuche nie alleine loszuziehen.

Keine genauen Ortsangaben: Damit die Lost Places nicht Opfer sinnloser Zerstörungswut werden, werden keine Adressen genannt.

Bevor Du zu Deiner Entdeckungstour aufbrichst, empfiehlt es sich, vorher abzuklären, ob es legale Führungen gibt.

Du kannst auch versuchen Dir die Erlaubnis des Eigentümers einzuholen, das Gelände betreten zu dürfen. Ansonsten begehst Du Hausfriedensbruch, was eine Anzeige nach sich ziehen kann, wenn Du erwischt wirst.

Damit Du nicht umsonst zu dem verlassenen Ort fährst, lohnt es sich auch immer zu recherchieren, ob der Lost Place überhaupt noch existiert, denn viele werden mit der Zeit renoviert oder abgerissen.

1. Spreepark Plänterwald

  • Adresse: Spreepark, Kiehnwerderallee 1-3, 12437 Berlin

Das Riesenrad quietscht leise im Wind, in einer Ecke des Parks liegen Dinosaurier-Plastiken am Boden, ein Schwanen-Boot treibt regungslos auf dem Wasser: Der ehemalige Freizeitpark Spreepark Plänterwald gehört wohl zu den bekanntesten Lost Places in Berlin.

Spreepark Riesenrad

Bekannt durch Film und Fernsehen wurde er mit der Zeit zu einem immer beliebteren Ziel für Urbexer und Hobby-Abenteurer.

Der Spreepark blickt auf eine lange Geschichte zurück. Der einzige Freizeitpark der DDR wurde 1960 eröffnet und hatte eine Fläche von 29,5 Hektar.

Neben zahlreichen Fahrgeschäften umfasste das Angebot auch Konzerte, Tanzveranstaltungen und Kinderunterhaltung. Bis zu 1,7 Millionen Besuchern verzeichnete der Park jährlich.

Nach der Wiedervereinigung fiel der Spreepark in die Zuständigkeit des Berliner Senats, welcher ihn als als Freizeitpark erhalten, weswegen es eine öffentliche Ausschreibung gab.

Von sieben Bewerbern wurde sich am Ende für die Spreepark GmbH von dem Schausteller Norbert Witte entschieden.

Spreepark Schwan

Ab 1991 wurde der Freizeitpark nach westlichem Vorbild umgestaltet und 1992 eröffnet. Der Park hatte mehr Attraktionen zu bieten als zu DDR-Zeiten, außerdem wurde ein pauschaler Eintrittspreis eingeführt, statt individueller Preise für jedes Fahrgeschäft.

Nach den erheblichen Umbaumaßnahmen nach der Wende wurde der Plänterwald allerdings unter Landschaftsschutz gestellt, wodurch dem Spreepark quasi über Nacht 8,5 Hektar Fläche verloren gingen, darunter sämtliche Besucherparkplätze.

Ab 1999 hatte der Park wirtschaftliche Probleme, es gab einen hohen Besucherrückgang, was auch auf die fehlenden Parkplätze zurückgeführt wurde. 2001 musste sich die Spreepark GmbH & Co. KG insolvent melden.

2002 wurde der Park schließlich geschlossen, im Laufe der Zeit gab es immer wieder Interessenten, aber diese standen vor den gleichen Platzproblemen wie der vorherige Betreiber, weswegen sie letztlich immer abgesprungen sind.

Das Gelände lag seitdem brach und immer mehr Gebäude waren einsturzgefährdet. 2014 wurde das Areal schließlich vom Land Berlin zurückgekauft.

Im selben Jahr kam es zu einem Großbrand in dem Park, bei dem auch einige Gebäude zerstört wurden. Die Brandstifter konnten schon am nächsten Tag festgenommen werden.

Spreepark Bahnhäuschen

Seit 2016 ist die Grün Berlin GmbH zuständig und entwickelt unter Einbeziehung der Bürger ein Konzept für die Zukunft des Parks.

Damit dieser in Zukunft auch gefahrlos genutzt werden kann, wurde 2018 Arsen-verseuchter Boden in der Nähe der Dinosaurier-Figuren komplett entfernt und 1700 Kubikmeter Erde ausgetauscht.

In Zukunft soll das Gelände ein Natur- und Kulturpark werden, in dem die alten Fahrgeschäfte integriert werden sollen.

Das Riesenrad und die Parkbahn werden saniert und wieder in Betrieb genommen, die anderen Fahrgeschäfte als Dekoration genutzt oder umgebaut werden, so dass z.B. das Tassenkarussell Sitzmöglichkeiten bietet.

Rund 100 Parkplätze sind geplant, doch die Parkplatzfrage ist immer noch ein schwer zu lösendes Problem.

Wie die Umsetzung am Ende wirklich aussehen wird, entscheidet sich 2020, wenn der Bebauungsplan festgesetzt wird. Erst dann kann mit dem Umbau begonnen werden.

Spreepark Achterbahn

An dem ehemals beliebten Lokal „Eierhäuschen“ haben die Bauarbeiten bereits begonnen, in das Gebäude soll wieder Gastronomie mit Außenterrasse und einem Biergarten einziehen, aber auch vier Residenzen für Künstler, in denen diese zwischen drei und sechs Monaten leben und arbeiten können.

Früher gab es sehr wenige Sicherheitsvorkehrungen in und um das Gelände, lediglich ein wackeliger Maschendrahtzaum sollte Eindringlinge fernhalten.

Mittlerweile umgibt ein massiver Metallzaun den Park und Wachleute mit Wachhunden patrouillieren rund um die Uhr in dem Gelände.

Damit Du nicht zum Kauspielzeug der Wachhunde wirst, empfiehlt es sich, eine der Führungen mitzumachen, die ab Ende März bis Anfang November angeboten werden. Aufgrund der sehr hohen Nachfrage, werden die Tickets online im Vorverkauf angeboten.

Die Führungen finden jedes Wochenende und an den Feiertagen mehrmals täglich statt. Bei der 90-minütigen Führung erfährst du allerhand über die Geschichte und die Zukunft des Lost Place und erkundest einige Teile des Areals.

  • Kosten: Erwachsene 5 Euro, Ermäßigt (Kinder 6-14 J.) 3 Euro
Der Norbert Witte Krimi
Nach der Insolvenz der Spreepark GmbH & Co. KG setzte sich Witte 2002 mit seiner Frau und einigen Fahrgeschäften nach Peru ab, wo er einen neuen Freizeitpark gründen wollte. Als dieser ebenfalls Konkurs ging, wollte er 2003 zurück nach Deutschland.Fliegender Teppich

Da ihm aber das Geld fehlte, auch die Fahrgeschäfte zu verschiffen, ließ er sich darauf ein, Drogen nach Deutschland zu schmuggeln.

In dem Fahrgeschäft Fliegender Teppich versteckte er 167 Kilo Kokain, wurde damit am Hafen festgenommen und 2004 zu sieben Jahren Haft in Deutschland verurteilt. Im Mai 2008 wurde Witte vorzeitig aus der Haft entlassen.

Der größte Leidtragende dieser Aktion ist Wittes Sohn, welcher in Peru ebenfalls verhaftet wurde und wegen Mittäterschaft zu zwanzig Jahren Haft verurteilt wurde. Nachdem er 13 Jahre davon in Peru abgesessen hatte, wurde er 2016 nach Deutschland überführt.

2. Natur-Park Südgelände Schöneberg

  • Adresse: Prellerweg 47-49, 12157 Berlin

Dem Natur-Park Südgelände Schöneberg fehlt vielleicht etwas das Geheimnisvolle und der Nervenkitzel, dennoch gehört der Park zu den beeindruckenden Lost Places in Berlin, die Du unbedingt besichtigen solltest.

Südgelände

Das Südgelände Schöneberg ist ein einzigartiger Mix aus Lost Place, Kunst und Naturschutz, durch die Relikte der Dampflok-Ära entsteht eine kontrastreiche Mischung – schöne Fotomotive sind hier garantiert.

Der 18 Hektar große Park im Berliner Ortsteil Schöneberg erstreckt sich über die frühere Trasse der Anhalter und Dresdener Bahn, den westlichen Teil des ehemaligen Rangierbahnhofs Tempelhof sowie des ehemalige Bahnbetriebswerks Tempelhof Rangierbahnhof.

Anfang der 30er Jahre war der Rangierbahnhof Tempelhof der größte Güterverschiebebahnhof Deutschlands, bis zu 70 Loks waren pro Tag auf dem Rangierbahnhof unterwegs.

Auf Fotos aus der damaligen Zeit ist zu sehen, dass keine Pflanzen auf dem Gelände wuchsen, mittlerweile ist das Südgelände Schöneberg ein kleines Stück Urwald Mitten in Berlin.

Laut Zeitzeugen wurden sogar mit Brennern gegen jedes kleine Pflänzchen vorgegangen, um das Gelände pflanzenfrei zu halten.

1952 wurde der Anhalter Bahnhof endgültig geschlossen, die Ferngleise abgebaut und die Westhälfte des Rangierbahnhofs Tempelhof stillgelegt. Ab diesem Zeitpunkt begann die Natur das Gebiet zurückzuerobern.

1981 wurde die Rodung des Geländes durch ein ökologisches Gutachten abgewendet, welches feststellte, dass das Südgelände eine sehr wertvolle Naturfläche mit vielen seltenen Pflanzen und Tierarten ist.

1993 wurde die Nutzung des Bahnbetriebswerks endgültig eingestellt, zwei Jahre später wurden 18 Hektar aus der Bahnnutzung entlassen und zu dem Naturpark entwickelt.

1999 wurden dann 3,4 Hektar des Parks zum Naturschutzgebiet erklärt.

Bei der EXPO 2000 erlangte der Natur-Park weltweit Aufmerksamkeit als „Weltweites Projekt“.

Die Flora und Fauna des Parks ist einzigartig in Berlin und Brandenburg: 30 Brutvogelarten, 57 Spinnenarten, 95 Wildbienenarten, 15 Heuschreckenarten sowie über 350 Pflanzenarten und 49 Großpilze, die zum Teil stark gefährdet sind, haben sich dort angesiedelt.

Um die Natur zu schützen, läuft man teilweise auf höher gelagerten Metallstegen, diese sind auf Stahlrohren befestigt, die wiederum auf den alten Schienen liegen.

Dadurch ist das Gebiet nicht in zwei Teile geteilt, Regenwasser kann den Boden erreichen und Tiere können sich unter dem Weg bewegen.

Auch wenn es bei dem urwaldartigen Zustand kaum vorstellbar ist, wurde in dem Park nichts angepflanzt, sondern die Natur hat sich das Gelände zurückgeholt.

Vermutet wird, dass durch den Bahnverkehr viele seltene und für die Region untypische Flora und Fauna auf das Gelände gekommen sind.

Dass das Südgelände Schöneberg wirklich zu den Lost Places zählt, siehst Du an den alten Bahnrelikten, die in die urwüchsigen Baumbestände eingebettet sind: Eine alte Dampflok, ein circa 50 Meter hoher stählerner Wasserturm, zahlreiche Wasserkräne, Lichtmasten, Schienenstränge und Weichen, sowie eine der ältesten Drehscheiben Deutschlands.

Dampflok Südgelände

Auf dem Gelände gibt es zwei alte Gebäude: Die Brückenmeisterei, in der heutzutage im Erdgeschoss ein Café und im Obergeschoss die Verwaltung des Parks ist und eine 100 Jahre alte und 4000 Quadratmeter große Lokhalle.

In dem gesamten Park ist Kunst aus den verschiedensten Bereichen verteilt.

Den Park erkundest Du auf Stahlkunstwerken der Bildhauergruppe ODIOUS, Stege, Baumhäuser und Röhren erschließen den Park und ermöglichen Dir spannende Einsichten ohne die Natur zu gefährden.

Im Sommer spielt die Shakespeare Company Berlin regelmäßig auf einer Bühne in der Nähe der Brückenmeisterei.

Im Italien der Renaissance war ein Giardino Segreto ein etwas abgelegener, dennoch zur Villa zugeordneter geheimer Garten, der von Mauern eingefasst war und bei dem der starke Kontrast zwischen der wilden Natur vor der Mauer und der strengen Geometrie der Beete, Skulpturen und Hecken im Vordergrund stand.

südgelände geheimer Garten

Auch das Südgelände Schöneberg hat einen Giardino Segreto.

Auf einem ehemaligen Lagerplatz entstand eine moderne Interpretation davon, mit stählernen Skulpturen, von Stahlkanten eingefassten Rasenbeeten, Beeten mit Schotter und Schrauben und einer Rosenhecke aus Stahl.

Durch den Park führen zwei Rundwege, der kleinere hat eine Länge von einem Kilometer und führt an den Relikten der Eisenbahn-Zeit vorbei, also Wasserturm, Dampflok und Drehscheibe.

Der größere Rundweg, mit einer Länge von 2,7 Kilometern, führt Dich auf einem leicht erhöhten Stahlgittersteg durch das Naturschutzgebiet.

  • Öffnungszeiten: täglich ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit
  • Eintritt (Kassenautomaten an den Eingängen): 1,00 € pro Person (ab 14 Jahren) – kein Wechselgeld –Münzen bereithalten

3. Alte Eisfabrik

  • Adresse: Köpenicker Straße 40/41

Direkt an der Spree, in einer der begehrtesten Stadtlage, steht der nächste Lost Place in Berlin: Eine der ältesten noch erhaltenen Eisfabriken Deutschlands.

1893 erwarb Carl Bolle das Grundstück Köpenicker Straße 40-41 von den Holzhändlern Eger und baute darauf die Eisfabrik. Drei Jahre später begann er mit der Produktion von künstlichem Eis und gründetet die Norddeutsche Eiswerke AG. 1914 produzierte die Fabrik mit einer Eismaschine und einer Eisgießerei Stangeneis.

Alte Eisfabrik Außenansicht

Da es in Privathaushalten keine Kühlschränke gab, wurde das Eis in Stangen von etwa 20 cm × 20 cm bei bis zu 1,50 Meter Länge an Brauereien, Kneipen, Obsthandlungen usw. geliefert.

Die 11.000 Quadratmeter große Gesamtanlage der Norddeutschen Eiswerke AG von Carl Bolle besteht aus zwei Höfen mit Wohn- und Fabrikanlage.

1945 wurde bei dem Bombenangriff auf Berlin das rechte Wohnhaus zerstört. Im selben Jahr wurde das Unternehmen unter Zwangsverwaltung gestellt bis es schließlich 1952 volkseigen wurde. Die Produktion von Stangeneis wurde bis 1962 um ein Viertel reduziert.

1977 wurde die Norddeutsche Eiswerke AG nach Hamburg verlagert, 1986 aufgelöst und von Amts wegen gelöscht.

1995 wurde der Betrieb in der Eisfabrik komplett eingestellt. Bei dem geplanten Abriss in dem Jahr kam es zu einem Brand, bei welchem der Seitenflügel des Wohnhauses und die Dächer der Kühlhäuser zerstört wurden. Seitdem verwildert das Gelände und wurde zu einem immer beliebteren Lost Place in Berlin.

Alte Eisfabrik Innenansicht

Trotz bundesweiter Proteste wurden 2010 die Kühlhäuser abgerissen, wie es mit den restlichen Gebäuden weitergeht, ist unklar. Obwohl die Eisfabrik unter Denkmalschutz steht, wird über einen Abriss nachgedacht.

Der jetzige Eigentümer hat den Plan auf dem Gelände in den nächsten Jahren eine Mischung aus Wohnen, Gewerbe sowie kultur- und kreativ-wirtschaftlicher Nutzung zu schaffen.

Das Gelände ist mit einem Zaun gesichert, die unteren Etagen sind zugemauert, da sich die Fabrik mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand befindet.

Für Außenaufnahmen lässt sich das Gelände aber vom Bona-Peiser-Weg aus betreten.

4. Alte irakische Botschaft

  • Adresse: Tschaikowskistraße 51, 13156 Berlin

Zugewachsen, verschmiert, demoliert, geplündert – mit diesen Attributen lässt sich der nächste Lost Place in Berlin gut beschreiben: Die alte irakische Botschaft in Pankow.

Alte irakische Botschaft Büro

Alte Schreibmaschinen stehen auf den Schreibtischen, Papiere und Bücher voller arabischer Schriftzeichen, Aktenordner, Dokumente und alte Bilder liegen in den Räume verteilt auf dem Boden oder in Regalen.

Früher hingen an den Wänden noch Portraits von Saddam Hussein, doch mittlerweile wurden sie alle von Touristen und Vandalen mitgenommen.

In einem Plattenbau der 70er Jahre war zwischen 1974 und 1991 in Pankow, dem traditionellen Diplomatenquartier der DDR, die irakische Botschaft untergebracht.

1980 wurden mehrere Mitarbeiter der irakischen Botschaft aufgrund des Verdachts möglicher Anschläge gegen oppositionelle Iraker in West-Berlin verhaftet. Sie wurden später jedoch wieder frei gelassen, aufgrund der damaligen guten Beziehungen zum Irak.

1990 berichtete die „Junge Welt“, dass ein Waffen- und Sprengstoff-Arsenal in der Botschaft lagern soll, das DDR-Innenministerium bestätigte den Waffenfund, die Botschaft wurde unter Sonderüberwachung gestellt.

Alte irakische Botschaft Schreibmaschine

Während des Irakkriegs hatte die Bundesregierung 1991 das gesamte Personal der irakischen Botschaft aufgefordert, das Land umgehend zu verlassen, seitdem steht das Gebäude leer.

Die neue irakische Botschaft liegt in Zehlendorf, bisher gab es noch keinerlei Aussage von Seiten dieser, was mit der alten Botschaft werden soll.

Die Eigentumsverhältnisse sind schwierig, da das Grundstück der BRD gehört, aber für die Republik Irak ein unbefristetes und unentgeltliches Nutzungsrecht an dem Grundstück im Grundbuch eingetragen ist.

2003 berichtete die New York Times von dem erbärmlichen Zustand und den Plünderungen des Ortes, kurze Zeit später brannte der Lost Place in Berlin, es wird Brandstiftung vermutet.

Der Zutritt ist verboten, das Gelände ist mit einem Zaun umringt.

5. Ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg

  • Adresse: Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin

Wer kennt sie nicht, die weißen Kuppeln auf dem Teufelsberg: Die ehemalige Abhörstation der Alliierten gehört zu den spannendsten Lost Places in Berlin.

Abhörstation 1

An der Stelle des heutigen Teufelsbergs stand in den 1940er Jahren der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät, die im Rahmen des nationalsozialistischen Projektes der Welthauptstadt Germania gebaut werden sollte.

Die Anlage wurde kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs gesprengt, teilweise abgerissen und als Baumaterial genutzt.

Ein Drittel der Gebäude Berlins wurden im Krieg zerstört, wodurch sich 1945 eine Trümmermenge von rund 100 Millionen Kubikmeter in der Stadt häufte.

Bis zum 11. Dezember 1972 kippten 600 bis 800 Lastkraftwagen insgesamt über 26 Millionen Kubikmeter Schutt auf, wodurch der Teufelsberg entstand.

In den 60er Jahren gab es erste Antennenwagen der Alliierten, die herauszufinden versuchten, ob von dem Schuttberg aus die Möglichkeit besteht, den Ostblock auszuspionieren.

Abhörstation 2

Nachdem sie feststellten, dass dies sehr gut funktionierte, haben zuerst die Amerikaner und dann die Briten verschiedene Antennen zu Spionagezwecken installiert.

Nach der letzten Schuttabladung stand fest, dass die Kuppe des Berges ausschließlich für Abhör- und Spionagetätigkeiten genutzt wird.

In vier Radomen drehten sich mehrere Satellitenschüsseln, von denen Funksignale ausgesendet wurden.

Dabei sollte der Funkverkehr des Warschauer Paktes, der DDR Behörden und Armeen der UDSSR sowie ihrer Soldaten abgehört werden.

Was genau dabei wirklich abgehört wurde, wird erst 2022 bekanntgegeben, wenn die Archive der USA öffentlich gemacht werden.

In der Abhörstation arbeiteten 1500 Leute in drei Schichten, dabei arbeiteten die Amerikaner und Briten zwar nebeneinander, aber nicht miteinander.

Da es außer in der Kantine keine Fenster gab, litten laut Zeitzeugen viele Mitarbeiter unter dem fehlenden Sonnenlicht und der stickigen Luft.

Abhörstation 3

Die Überwachung dauerte bis zum Ende des Kalten Kriegs 1989 an.

1992 gaben die Amerikaner die Station auf und nahmen die elektronischen Geräte mit. Ab 1999 wurde die Station zur zivilen Luftüberwachung des Flugverkehrs genutzt.

Das Gelände wurde von privaten Investoren gekauft, doch deren Bebauungspläne scheiterten und das Gebäude verfiel.

Seit 2006 ist das Gelände kein Baugebiet mehr, sondern Waldgebiet, wodurch weitere Baumaßnahmen verboten sind.

Diebstahl und Vandalismus zerstörten in den kommenden Jahren die noch vorhandenen Anlagen und Einrichtungen vollständig.

Erst 2010 gelang es dem damaligen Eigentümer, eine organisierte Struktur mit Sicherheitsmaßnahmen und der Möglichkeit das Gelände Besuchern zugänglich zu machen, zu entwickeln.

Dieser initiierte auch die Graffiti-Galerie, die größte Galerie dieser Art Europas, die sich auf dem Gelände befindet.

Es gibt zwei Führungen durch den höchsten Lost Place Berlins: Die historische Führung dauert 90 Minuten, Du wirst begleitet von Experten und Zeitzeugen, während Du über das Gelände gehst und Wissenswertes über die bewegende Geschichte des Teufelberges und der Anlage erfährst.

Die Stille Begehung ist ohne Experten, es ist eine freie Besichtigung der sicheren Bereiche der Radarstation.

  • Historische Führung: 15 Euro
  • Stille Begehung: 5 Euro

6. Stadtbad Lichtenberg

  • Adresse: Atzpodienstraße 6, 10365 Berlin

Stadtbad Lichtenberg

Früher lernten hier Kinder schwimmen, heute zählt es zu den Lost Places Berlin: Das Stadtbad Lichtenberg.

Über die Entstehungszeit des Stadtbads ist wenig bekannt, da viele Unterlagen des Stadtarchivs Lichtenberg bei den Bombenangriffen 1945 zerstört wurden.

1919 wurde der erste Spatenstich gesetzt und 1928 wurde das städtische Volksbad eröffnet, es war die modernste Einrichtung dieser Art in Berlin.

In dem knapp 2200 Quadratmeter großen Gebäude gab es medizinische Bäder, einen Saunabereich mit Warm- und Heißluftraum, Massagekabinen und einen Duschenraum mit Kaltwasserbecken.

Außerdem je ein frei gelagertes Schwimmbecken für Frauen und für Männer, eine Wannenabteilung und Brauseabteilung, einen Gymnastiksaal und Bereiche für physiotherapeutische Behandlungen sowie eine Sonnenterrasse und einen Fahrstuhl.

Schlüssel Stadtbad

Das Stadtbad war am Anfang als Möglichkeit für die Bevölkerung zum Waschen gedacht, da viele Haushalte keine Badewannen hatten, und nicht für Schwimmsport.

Bald wurde es aber von Schwimmsportvereinen zum Trainieren und von Familien als Ausflugsziel genutzt, wodurch die ursprünglich geplante Geschlechtertrennung schnell nicht mehr vorhanden war.

Im 2. Weltkrieg wurde das Gebäude an der Nordwestseite beschädigt, nach 1945 stand es einige Zeit leer, die Wannen- und Brauseabteilung konnte aber notdürftig genutzt werden.

Ab 1948 fand jahrelang, der in der DDR obligatorische, Schwimmunterricht im Stadtbad Lichtenberg statt. Als neue Schwimmbäder gebaut wurden, verlor das Bad nach und nach seine Bedeutung für die Gegend.

1988 musste die große Halle wegen Baumängeln geschlossen werden und 1991 schloss das gesamte Bad, aufgrund einer Havarie, die die gesamte Anlagentechnik außer Gefecht setzte.

Stadtbad Lichtenberg Flur

Seitdem steht das Gebäude leer, die kleine Halle wurde zwischenzeitlich als Lagerhalle zweckentfremdet.

Mittlerweile steht der Lost Place unter Denkmalschutz, 2001 wurde das Stadtbad dem Land Berlin übertragen. Doch auch fast zwei Jahrzehnte später wurde immer noch keine Lösung gefunden, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll, weswegen es weiter verfällt.

Das Betreten des Gebäudes ist verboten, die Fenster der unteren Etagen sind mit Holzplatten verschlossen.

7. Ehemaliges Institut für Anatomie der FU Berlin

  • Adresse: Königin-Luise-Straße 15, 14195 Berlin

Mitten im beschaulichen Dahlem umringt von Villen und Universitätsgebäuden findest Du einen weiteren Lost Place Berlins: Das ehemalige Institut für Anatomie der FU Berlin.

 

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Während in den oberen Etagen des Gebäudes Hörsäle, Laboratorien und Büros vor allem Zeugnisse für die Zerstörung und Verwahrlosung sind, kommt spätestens im Keller ein Gefühl von Beklemmung auf, wenn Du an Kühlkammern und Seziertischen vorbeiläufst.

Errichtet wurde das Gebäude 1929, als 1949 im amerikanischen Sektor mit dem Neubau der FU Berlin begann, wurde das Gebäude als Anatomisches Institut eröffnet.

2003 fusionierten die medizinischen Einrichtungen der FU und der HU zur „Charité – Universitätsmedizin in Berlin“. Im Zuge der Zusammenlegung wurde das Institutionsgebäude 2005 geschlossen.

2008 kaufe Aldi das Gelände und wollte darauf ein Einkaufszentrum mit großzügigem Discounter eröffnen. Der Bezirk verweigerte die Baugenehmigung, seitdem verfällt das Gebäude und wird zu einem immer beliebteren Lost Place in Berlin, da Sicherheitsvorkehrungen kaum vorhanden sind.

Seziertisch

Auch mehr als zehn Jahre später ist immer noch keine Lösung in Sicht, wie es mit dem ehemaligen Anatomischen Institut weitergehen soll.

Der Bezirk wünscht sich Eigentumswohnungen auf dem Gelände, Verhandlungen mit Aldi laufen.

8. Säuglings- und Kinderkrankenhaus Weißensee

  • Adresse: Hansastraße 150, 13088 Berlin

Einst war es der Stolz des Bezirks Pankow, mittlerweile ist das Säuglings- und Kinderkrankenhaus in Weißensee eins der meist besuchten Lost Places in Berlin.

Kinderkrankenhaus

Anfang des 20. Jahrhunderts stieg die Säuglings- und Kindersterblichkeit, um dem entgegenzuwirken, wurde sich entschieden, ein Säuglings- und Kinderkrankenhaus zu bauen.

1901 wurde es eröffnet, das Krankenhaus war das erste kommunale Säuglings- und Kinderkrankenhaus Preußens und eine der fortschrittlichsten medizinischen Einrichtungen im Land.

Zu Beginn konnten bis zu 40 Säuglinge und Kleinkinder aufgenommen werden, schrittweise wurde die Anzahl der Betten auf 100 erhöht.

Krankenhaus verlassen

Es gab eine Abteilung für Chirurgie, HNO- und Hautkrankheiten.

Auf dem 28.000 Quadratmeter großen Gelände gab es umfangreiche Wirtschaftsgebäude, ein eigenes Kraftwerk und sogar einen eigenen Kuhstall. In diesem lebten 36 Kühe, mit einer angeschlossenen Molkerei wurde so die Versorgung der Kinder mit Milch gewährleistet.

Außerdem wurde ein Hörsaal für Schwestern in der Ausbildung gebaut, in dem es aber auch öffentliche Vorträge zur Säuglingspflege gab, um der Bevölkerung mehr Wissen darüber zu vermitteln.

Aus Kostengründen und aufgrund der rückläufigen Bevölkerungszahl wurde das Krankenhaus 1997 geschlossen.

2005 wurde das damals schon stark verfallene Gebäude an eine russische Firma verkauft. Da diese das denkmalgeschützte Gebäude nicht abreißen durfte, passierte jahrelang nichts.

Das Land Berlin versuchte das Gelände zurückzukaufen, nach einem mehrere Jahre anhaltenden gerichtlichen Prozess wurde das Gelände schließlich 2018 wieder an Berlin überschrieben.

Das ehemalige Krankenhaus verfällt immer weiter und ist mittlerweile eine kaum noch zu rettende Ruinenlandschaft.

Die Fußböden im ersten und zweiten Stock sind teilweise komplett eingestürzt, überall liegen Trümmer, durch das offene Dach dringt Feuchtigkeit ein, das Betreten des Geländes ist verboten.

9. Siemensbahn

Der nächste Lost Place in Berlin ist die Siemensbahn im Norden der Stadt.

In den 1920er Jahren verlegte Siemens & Halske sein Hauptwerk an den Berliner Stadtrand, dort gab es zwar viel Platz aber keine Anbindung an das bestehende S-Bahnnetz.

Damit die Arbeiter trotzdem einfach und schnell zur Arbeit in die Werke kommen konnten, baute Siemens in Eigenregie und teilweise auf eigene Kosten die 4,5 Kilometer lange Strecke zwischen Bahnhof Jungfernheide und Bahnhof Gartenfeld.

Siemensbahn

Siemens war für den Bau der Trasse, der Ausrüstung der Bahnhöfe und dem Stellen des Geländes zuständig, die Reichsbahn sollte nur den Betrieb sicherstellen.

Baubeginn war 1927, zwei Jahre später wurde der Bau abgeschlossen. Die Züge fuhren elektrisch und wurden täglich allein von 17.000 Siemens-Mitarbeitern genutzt, teilweise fuhren die Züge im 2 Minutentakt.

Nach dem 2. Weltkrieg verlegte Siemens seinen Hauptsitz nach München, wodurch die Strecke zu einer der am wenigsten genutzten Strecken des Bahnnetzes wurde.

Nach dem Reichsbahnerstreik 1980 wurde sie schließlich im September desselben Jahres stillgelegt.

Siemens hat angekündigt, bis zu 600 Millionen Euro in den alten Standort zu investieren und einen Campus für Forschung, Produktion und Wohnen zu bauen, allerdings nur, wenn für eine gute Anbindung gesorgt ist.

Deswegen wird geplant die Strecke bis 2025 zu reaktivieren.

10. Blub – Berliner Luft- und Badeparadies

  • Adresse: Buschkrugallee 64, 12359 Berlin

Das Berliner Luft- und Badeparadies, kurz Blub genannt, zählt ebenfalls zu den Lost Places in Berlin.

Das Blub wurde am 14. Februar 1985 eröffnet und wurde für die Saison 1985/ 1986 Trikotsponsor von Hertha BSC. Es hatte täglich von 10-23 Uhr geöffnet und verzeichnete zu Beginn noch 600.000 Besucher pro Jahr.

Blub Rutschenturm

Bis zum Jahr 2001 sank die Besucherzahl auf 330.000 jährlich, als Grund für den Besucherrückgang wurden die sich häufenden Beschwerden über Gefahrenstellen und mangelnde Hygiene genannt.

Ab 1999 wurden mehrfach Teile des Bades geschlossen, 2002 sogar vorübergehend die Küche, außerdem wurden vermehrt Ratten gesichtet.

Im Dezember 2002 wurde das Freizeitbad vom Gesundheitsamt wegen akuten Rattenbefalls, Vogeldreck und der seuchenhygienischen Zustände geschlossen. 2003 musste dann Insolvenz angemeldet werden, die Suche nach einem neuen Investor blieb erfolglos, sodass es 2005 endgültig schließen musste.

Die Saunalandschaft blieb noch bis 2012 offen, musst letztendlich aber auch schließen.

2012 wurde ein Investor gefunden, der auf dem Gelände Wohnungen bauen wollte, mit dem Abriss sollte 2015 begonnen werden und 2020 das Bauprojekt abgeschlossen sein.

Blub

Ein Jahr später gab es den ersten größeren Brand im Blub, bei dessen Löschung die Feuerwehr feststellen musste, dass die Wasserversorgung durch Hydranten auf dem Gelände nicht mehr gewährleistet ist.

In den kommenden Jahren gab es immer wieder kleinere Brände, bis es dann im Jahr 2016 zu einem Großbrand kam, bei dem das Hauptgebäude fast vollständig zerstört wurde.

Der Brand konnte erst nach mehreren Stunden gelöscht werden, das Landeskriminalamt ermittelte, konnte die Ursache für den Brand aber nicht herausfinden.

Seitdem ist der Lost Place in Berlin stark einsturzgefährdet. Solltest Du auf dem Gelände unterwegs sein, ist besondere Vorsicht geboten.

Der ursprüngliche Plan für die weitere Nutzung des Geländes steht angeblich immer noch, allerdings hat sich seit 2015 nichts an dem Gelände geändert. Wenn etwas „abgerissen“ wurde, dann allein durch die vielen Brände.

11. Rundlokschuppen Pankow

Rundlokschuppen

Ein weiterer spannender Lost Place in Berlin ist der Rundlokschuppen in Pankow.

Der Rundlokschuppen wurde 1893 erbaut und ist das letzte gebaute Rundhaus in Deutschland. Es verfügt über 24 Gleise, in deren Mitte eine Drehscheibe ist. Da der Rundlokschuppen komplett überdacht ist, ist die Drehscheibe dadurch vor schlechter Witterung geschützt.

Durch die Beschaffung längerer Loks wurden die Rundhäuser nach und nach aufgegeben, weil sie zu schwer zu vergrößern waren.

Der Rundlokschuppen Pankow wurde schließlich 1997 stillgelegt. In Deutschland gibt es nur noch zwei Rundhäuser: In Pankow und in Rummelsburg.

Da das Gebäude unter Denkmalschutz steht, darf es nicht abgerissen werden, jedoch ist es mittlerweile schon stark verfallen und befindet sich in einem kritischen Zustand.

Auf dem Gelände ist das Bauprojekt „Pankower Tor“ geplant, mit Wohnungen, Einkaufsmöglichkeiten, einer Schule uvm., jedoch kommt es aufgrund der baufälligen Gebäude immer wieder zu Verzögerungen.

12. Chemiewerk Coswig, Betriebsteil Rüdersdorf

  • Adresse: Gutenbergstraße, 15562 Rüdersdorf bei Berlin

 

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Der Ursprung des VEB Chemiewerks Coswig liegt im Jahr 1900, als die Firma C.O. Wegener an diesem Standort ein Zementwerk errichtete. Bis 1937 wurde in dem Werk in einem gefährlichen Prozess an einem hochmodernen Drehrohrofen Zement gebrannt.

Während des 2. Weltkrieges wurde die Produktion auf synthetischen Bauxit umgestellt. Nach Ende des Kriegs demontierten die sowjetischen Besatzer das Werk komplett, sie ließen nur die Drehrohröfen-Anlage und die leeren Hallen stehen.

1950 wurde unter dem Namen „VEB Glühphosphatwerk Rüdersdorf“ in dem Werk Futterphosphat hergestellt, welches die höchste Güteklasse besaß und dadurch auch für den Export in den Westen lukrativ war.

Im Rahmen des Siebenjahresplans wurde das Gelände durch Neubauten und Erweiterungen zu einem großen Chemiewerk ausgebaut. Ab Mitte 1961 konnte das Werk jährlich je 200.000 Tonnen Schwefelsäure und Zement liefern.

Nach der Wiedervereinigung sanken die Absatzzahlen, so dass das Werk 1999 geschlossen wurde.

Auch heute gibt es noch keine Pläne, wie das Gelände neu genutzt werden könnte. Seit 2000 wurde der Lost Place für einige Musik- und Filmproduktionen genutzt:

Fabrikhalle

So drehten z.B. Rammstein ihre Mondlandung in den verlassenen Ruinen und Teile des Film „Monuments Men“ wurden ebenfalls hier gedreht.

Abbrucharbeiten wurden begonnen, aber immer wieder eingestellt, aufgrund des teilweise meterdicken Stahlbetons und der enormen Altlasten.

Das Betreten des Geländes ist verboten, es gibt aber keine speziellen Sicherheitsvorkehrungen.

13. Beelitz Heilstätten

Dieser Lost Place in der Nähe Berlins gehört zu den berühmtesten der Gegend: Die Beelitz Heilstätten, ein denkmalgeschütztes Ensemble von 60 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von 200 Hektar.

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Die Heilstätten in Beelitz waren eine Tuberkulose-Klinik und einer der größten Krankenhauskomplexe des Umlands.

Die einzelnen Bereiche waren nach Geschlechtern getrennt, westlich waren die Frauen untergebracht, östlich die Männer.

Gebaut wurde der Komplex in drei Bauphasen von 1898 bis 1930, mit bis zu 1200 Betten, eigenen Waschhäusern, einem Badehaus und einer klinik-eigenen Kirche.

Im 1. und 2. Weltkrieg wurden die Heilstätten als Lazarett und Sanatorium für erkrankte und verwundete Soldaten genutzt, rund 17.500 Rekonvaleszenten waren zwischen 1914-1918 dort untergebracht, darunter auch der Gefreite Adolf Hitler im Jahr 1916.

1942 wurde auf dem Gelände ein Ausweichkrankenhaus für Potsdam gebaut, welches von 1945 bis 1988 als Fachklinik für Lungenkrankheiten und Tuberkulose zivil genutzt wurde.

Beelitz

Nach Ende des 2. Weltkriegs wurden die Heilstätten von der Roten Armee übernommen und waren damit bis 1994 das größte Militärhospital der sowjetischen Armee im Ausland.

Einige Gebäude wurden inzwischen saniert und durch neue Gebäude ergänzt. Die Gemeinde Beelitz versucht von dem Image der Horror-Grusel-Klinik wegzukommen, dennoch bleibt es ein spannender Lost Place in der Nähe Berlins.

Es wurden eine neurologische Rehabilitationsklinik, ein Parkinson-Fachkrankenhaus sowie eine Rehabilitationsklinik für Kinder eingerichtet, welche aber Ende 2019 aufgrund zu hoher Mieten schließen wird.

In Bahnhofsnähe wurde ein Teil des Geländes mit Einfamilienhäusern bebaut.

2015 wurde auf dem Gelände der ehemaligen Frauen-Lungenheilstätte der erste Baumkronenpfad in Brandenburg eröffnet.

Dieser ist 320 Meter lang, bis zu 23 Meter hoch und überquert die mit Bäumen bewachsene Ruine des 1945 ausgebrannten Gebäudes B IV, welches auch „Das Alpenhaus“ genannt wurde.

14. Olympisches Dorf von 1936

In dem Olympischen Dorf von 1936, welches von 1934-1936 gebaut wurde, wohnten während der Olympischen Spiele die rund 3600 männlichen Athleten mit Betreuern und Personal.

Olympisches Dorf

Von NS-Seite aus wurde es das Dorf des Friedens genannt, dabei war es so konzipiert, dass es nach den Spielen zu einer Kaserne umfunktioniert werden konnte.

Jedes Haus wurde nach einer deutschen Stadt benannt, die Anordnung der Gebäude sollte den Städten auf der Deutschlandkarte entsprechen.

Das Speisehaus Haus der Nationen bestand aus 38 Speisesälen, die jeweils für eine Nation zum Essen und Beisammensein angedacht war. Es war so geplant, dass vom obersten der drei terrassenartig angelegten Stockwerke aus das Olympiastadion zu sehen war.

Das Olympische Dorf sollte ein Ort der Ruhe sein und den Athleten Unterbringung, Verpflegung, Trainingsmöglichkeiten sowie ein Unterhaltungsprogramm bieten.

Das Gelände wurde rund um die Uhr von der Gestapo überwacht, die Post der Athleten stand unter vollständiger Zensur.

Schwimmbad Olympisches Dorf

Der erfolgreichste Sportler dieser Olympiade war der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens, der vier Goldmedaillen gewann.

Das Zimmer, in dem Owens geschlafen hat, wurde von der DKB Stiftung hergerichtet und kann bei Führungen besichtigt werden.

Nach den Olympischen Spielen wurden auf dem Gelände eine Infanterieschule und ein Infanterie-Lehrregiment untergebracht und das Speisehaus beherbergte ein Militärhospital.

Turnhalle Olympisches Dorf

Nach Ende des 2. Weltkriegs zog die sowjetische Armee auf dem Gelände ein und nutzte es bis zum Abzug der Truppen 1992.

Heutzutage sind von dem Olympischen Dorf noch einige halbwegs gut erhaltene Ruinen übrig, die unter Denkmalschutz stehen.

Doch bald wird der Lost Place nicht mehr so verloren sein: Einige der Gebäude werden zu Wohnungen umgebaut, zwanzig Neubauten entstehen, für bis zu 3000 Menschen wird dadurch neuer Wohnraum geschaffen.

Der Denkmalcharakter soll erhalten bleiben, dennoch wird das Dorf wahrscheinlich seinen besonderen Charme, der es für Urbexer so spannend macht, verlieren.

Das Olympische Dorf ist nur noch im Rahmen von Sonderführungen zu besichtigen, es gibt keine regulären Öffnungszeiten mehr.

15. Heilstätte Grabowsee

  • Adresse: Malzer Weg, 16515 Oranienburg

Grabowsee

Vielleicht nicht ganz so berühmt wie die Beelitzer Heilstätten gehört die Heilstätte Grabowsee dennoch zu den Lost Places in der Nähe Berlins, die einen Besuch wert sind.

Die ehemalige Lungenheilanstalt wurde 1896 vom Deutschen Roten Kreuz gegründet und war die erste Lungenheilstätte in Norddeutschland.

1900 hatte die Heilstätte bereits 200 Betten zur Verfügung, während des 1. Weltkriegs wurde sie als Vereinslazarett vom Roten Kreuz zur Behandlung lungenkranker Soldaten genutzt.

Bis 1918 wurden hier außerdem Kriegsgefangene untergebracht.

Ab 1926 wurden Erweiterungsbauten errichtet, so dass sich die Bettenanzahl bis 1930 auf 420 verdoppelte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Heilstätte Grabowsee von 1945 bis 1995 als sowjetisches Lazarett genutzt.

Seit 2005 wird das Gelände vom Kids Globe e. V. betrieben, die es in die Internationale Akademie Kids Globe umwandeln möchte. Ziel des Vereins ist es, Kinder besser auf das Leben vorzubereiten, mehr Praxis statt Theorie zu vermitteln.

2017 wurde auf dem Gelände der deutsche Horrorfilm „Heilstätten“ gedreht, wodurch es zu einem Besucheranstieg in dem Lost Place kam.

Seit 2019 werden Führungen über das Gelände und auch in die Gebäude angeboten.

 

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